Alpenverein Sektion Markt Schwaben

Markt Schwabener Alpenverein auf Expedition im Himalaya

Die Luft wird dünner, trockener, kälter… Bergsteigen unter diesen Bedingungen am eigenen Leib erfahren – das wollten 5 Mitglieder des DAV Markt Schwaben und zwei ihrer Freunde. Eine bunte Gruppe zwischen 36 und 55, mit einer Frau und einem katholischen Pfarrer, teilweise erfahren im Höhenbergsteigen und teilweise Anfänger. Nach wochenlangen Vorbereitungen, in denen die Ausrüstung zusammengestellt, der Reiseplan festgelegt, vorsorglich diverse Ärzte besucht und verschiedene Medikamente besorgt wurden, ging es Anfang Oktober mit dem Flieger nach Nepal. Die erste Station, Kathmandu, ist nicht besonders sehenswert: Hier ist es eng, laut und voller Smog und damit gehört Kathmandu zu den eher anstrengenden Städten, die man gerne schnell wieder verlässt. Nach 2 Tagen Aufenthalt in Kathmandu, wo noch letzte Ausrüstungsgegenstände ausgeliehen wurden, flog die Gruppe mit einem 15-Sitzer nach Phaplu, einem kleinen Ort auf 2400 m Höhe. Endlich ist man in der Ruhe der Berge angekommen. Auf erst breiteren Pfaden, die dann in fast unkenntliche, selten begangene Bergpfade übergingen, arbeitete sich die Gruppe langsam in die Höhe vor. Anfangs regnete es tagelang mal mehr, mal weniger. Die Flüsse quollen über, nasse Füße und Blutegel in den Socken waren an der Tagesordnung.

Nach 7 Tagen auf einsamen Wegen durch den Regenwald mit beeindruckenden Stopps an diversen Klöstern und Übernachtungen in sehr primitiven Unterkünften kam die Gruppe auf 3700 m in dem kleinen Dorf Kote an. Hier gibt es kaum noch Bäume und die Wolken werden weniger. Endlich sieht man die ersten hohen Berge des Himalayas. Steil und sehr beeindruckend! Aber bisher „nur“ 6000er… Noch 2 Trekkingtage und die Gruppe kam bei der höchsten Lodge der Tour auf 4900 m an. Die Höhe wird massiv spürbar. Von Experten wird empfohlen die Übernachtungshöhe um maximal 300 hm am Tag zu steigern, damit man nicht höhenkrank wird. Die letzten 800 m Höhenmeter von der letzten Übernachtungsstätte sind einfach zu viel. Die ersten Anzeichen der Höhenkrankheit sind spürbar: Schlaflosigkeit, Atemaussetzer in der Nacht, Kopfschmerzen… Walter und Elke haben zudem seit den nassen Tagen im Regenwald Bronchitis – das ist in der Kombination mit der dünnen, kalten Luft nicht sehr angenehm. Ein Grund für den Abstieg. Der Rest der Gruppe stieg nach einem Pausetag auf in das Highcamp auf 5800 m. Nach einer schlaflosen Nacht wird die Gruppe um 2 Uhr nachts geweckt. Jetzt entscheidet sich Bernie für den Abstieg, da er höhenkrank ist. Nach einer 700 hm langen und anstrengenden Gletschertour auf den Gipfel – am Schluss geht es nur noch mit ständigen Pausen – erreichen Sebastian, Reinhard, Franz-Josef und Raymond um 7 Uhr früh den Merapeak und genießen den wundervollen Rundblick vom 6461 m hohen Gipfel auf die 8000er in der Umgebung. Nach dem Abstieg vom Gipfel stand eine Rundtour über ein einsames Tal mit Zelttrekking und ein Übergang über den anspruchsvollen Amphulaptsa-Pass am Programm. Nachdem Raymond mittlerweile auch eine Erkältung bekommen hatte und er deshalb ebenfalls umgekehrt war, überkletterten nur noch Sebastian und Reinhard den Stufengletscher zum Amphulaptsa auf 5800 m Höhe. Nach dem Abstieg bis nach Chukhung gab es endlich wieder eine zumindest teilweise geheizte Hütte mit Dusche. Dort trafen sie wieder Walter und Elke. Die Beiden waren innerhalb einer Woche über Umwege auch nach Chukhung gelangt und mittlerweile auch wieder einigermaßen gesund. Zumindest so gesund, dass sie sich beide wieder die Besteigung eines 6000ers vorstellen konnten. Elke stieg dann 2 Tage später mit Reinhard auf den Islandpeak. Ein 6189 m hoher Berg mit 1200 m Anstieg vom Islandpeak-Basecamp. Der Berg ist zwar niedriger als der Merapeak, aber bergsteigerisch anspruchsvoller. Große Spalten sind mit Eisenleitern zu überqueren und kurz vor dem Gipfel muss eine 100 m hohe Eisflanke, die bis zu 60° steil ist, überwunden werden. Am Gipfel spürt man dann, wie niedrig ein Berg mit „nur“ 6189 m Höhe im Himalaya ist. Direkt hinter dem Islandpeak steht der Lhotse mit 8516 m Höhe… Aber trotzdem waren die Beiden stolz, den Islandpeak geschafft zu haben.

Walter und Sebastian versuchten sich währenddessen an der 6856 m hohen Ama Dablam. Der “Juwel des Himalayas“ oder auch das „Matterhorn Nepals“ ist ein sehr anspruchsvoller Berg – immer im Absturzgelände mit Eiswänden und klettertechnischen Passagen im 5. Grad. Die Besteigung benötigt viele Tage: man steigt auf, stellt das Zelt im Advanced Basecamp auf und steigt wieder ab. Dann Ruhetag. Danach folgte wieder ein Aufstieg aufs Advanced Basecamp, Übernachtung dort, am nächsten Tag Aufstieg aufs Camp 1, Übernachtung dort und wieder Abstieg. Auf diese Art und Weise kämpft man sich primär aus akklimatisationstechnischen Gründen immer weiter nach oben. Dazwischen immer wieder ein paar Ruhetage – bis man sich soweit fühlt den Gipfel anzugreifen. Eigentlich gibt es 3 High Camps, aber weil das Camp 2 nur Platz für 6 Zelte bietet, beschlossen Sebastian und Walter am Gipfeltag 2 Camps zu überspringen und direkt von Camp 1 auf den Gipfel zu steigen. Gewagt – aber es hat geklappt. Am 21. Oktober standen sie stolz auf der Ama Dablam und haben 1 Stunde lang den gewaltigen Ausblick auf die großartigen Berge rundum genossen. Gratulation zu dieser anspruchsvollen Besteigung!

Zu Ende ist die Tour aber immer erst im Tal – zu viele Gefahren lauern auch noch beim Abstieg wie beispielsweise Absturz durch Konzentrationsmängel. Aber letztendlich sind alle 7 Expeditionsteilnehmer wieder heil in Deutschland angekommen. Jeder mit unvergesslichen Eindrücken einer großartigen Reise in einer der faszinierendsten Gegenden für Bergfreunde.

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