Alpenverein Sektion Markt Schwaben

Steile Aufstiege, rassige Abfahrten, vier Gipfel – Ein Lechtal Schmankerl! – von Alex Höfling

Skitour mit Zelt – so stand‘s im Programm. Vielleicht lag‘s am Nachsatz „dicken Schlafsack nicht vergessen“, dass ich am Samstag morgen um 5 Uhr als einziger(!) Teilnehmer, zusammen mit den beiden Organisatoren Walter und Justus, von Markt Schwaben aus Richtung Lechtaler Alpen aufgebrochen bin.


Nachdem wir am einzigen Frühstücks-Supermarkt-Cafe abgewiesen wurden (weil hier in der Gegend die Bäcker „halt erscht um 8 aufmacha“) sind wir ohne Kaffee vom Parkplatz in Boden, etwas unterhalb von Pfafflar (1600m) , ins Fundaistal gestartet. Bepackt mit allem was wir für unser „Base Camp“ benötigten, kam mit zwei Zelten, Schlafsäcken, Isomatten, Kocher, Essen, Seil und Ausrüstung so einiges zusammen. Durch die warmen Tage im März war der Schnee im Tal schon ausgeapert und so wurde der Weg zu Beginn mit den Ski am Rucksack noch zusätzlich erschwert.
Von Pfafflar oberhalb des Tales und später durch das Bachbett taleinwärts ging es über eine Steilstufe hoch zum Fundaisboden, wo wir unser Lager aufschlugen, umgeben von Muttekopf, Schlenkerspitze und Reichspitze. Um bei dem drohenden Temperaturanstieg noch gute Bedingungen zu finden, machten wir uns ohne längeren Aufenthalt Richtung Große Schlenkerspitze (2827m) auf. Zunächst nach Westen Richtung Galtseitenjoch dann durch eine Einschartung links haltend zum Schlenkerspitz Nord-Ostgrat, und hoch zur Scharte vor dem Gipfelaufbau auf ca 2700m (Skidepot). Zum Gipfelanstieg wurde auf Steigeisen und Pickl umgerüstet und die restlichen Meter über gefrorenen Schnee und Fels zum Vorgipfel, und noch über eine steile Rinne (II-III) zum Gipfel, geklettert.

Aufstiegsroute Schlenkerspitze

Nach einer kurzen Pause, Gipfelaussicht und Abstieg zu den Skiern, wurde mir dann klar was Walter in seiner Email mit der Angabe „nur für geübte Skifahrer, die auch im harschigen, felsdurchsetzen Steilgelände bis ca. 40 Grad sicher auf den Brettern stehen“, gemeint hatte. Also, Skistiefel enger schnallen und schnell runter, denn nachdem der bewölkte Himmel dafür gesorgt hatte, dass der Schnee noch nicht zu weich war, meinten Justus und Walter einstimmig „da geht heit noch was“.
Die Reichspitze (2590m) als nächstes Ziel auserkoren – glaub meine Frage nach den zusätzlichen Höhenmeter ging irgendwo unter  😉 – fuhren wir zunächst nochmals etwas ab, um dann möglichst hoch hinüber zum Galtseitenjoch (2421m) zu queren. Nach ein paar Kehren hinauf zum Joch gings nach Norden über etliche Felsblöcke zum Einstieg in den ausgesetzten Gipfelaufbau (II+). Zwar hilft ein Drahtseil, das jedoch meist unterm Schnee begraben ist, aber der Fels ist fest und so standen wir nach einiger Zeit auf dem zweiten Gipfel des Tages und konnten den Blick ins von hier steil abfallende Tal genießen.
Nach dem Abstieg zurück zum Joch und einer super Abfahrt, die uns direkt zu unserem ideal gewählten Zelt Lagerplatz führte, ging es ans Aufbauen. Nach kurzer Zeit standen zwei Zelte, die Thermarest Matratze (unterstützt durch einen kurzen Anruf bei der Kressier-Hotline) war aufgeblasen, ein paar Liter Schnee zu Wasser geschmolzen, und sogar heißer frischer(!) Kaffee duftete aus den Thermotassen. Um ein imaginäres Lagerfeuer sitzend, Travellunch Tüten in der Hand und einer einzigen Dose Bier für alle, kam fast Männer-Abenteuer-Stimmung auf … bis dann um halb 10 Nachtruhe verkündet wurde.

Punkt 6 Uhr, geweckt durch ein „Guten Morgen!“ aus‘m anderen Zelt, und nachdem die im Schlafsack verstauten Innenschuhe wieder trocken an den Füssen waren, blickten wir (entgegen der Vorhersage) in einen wolkenlosen Himmel. Wir mussten leider feststellen, dass die Gaskartusche unseres Kochers wohl nicht für die Temperatur ausgelegt war und so wurde, nach einem schnellen Keks- und Müsliriegel-Frühstück, das für den heutigen Tag geplante Ziel angegangen.

Der Imster Muttekopf (2774m), im Führer beschrieben als der „vielleicht vielseitigste Skitourenberg in den Lechtaler Alpen“, wird zwar meist von der Süd, Ost oder Nordseite begangen, doch Walter und Justus hatten bereits am Vortag eine „mit den Skiern fahrbare“ Route über die Westflanke vom Fundaisboden ausgespäht. So ging es über steile Rinnen und einige Steilaufschwünge, diesmal von unserem Lager Richtung Osten auf. Der um die Zeit noch harte Schnee erforderte zunächste das Steigen mit den Skiern und Harscheisen, und schon bald mit Steigeisen und Pickl. Am Grat angekommen näherten wir uns über den Nordrücken schliesslich gegen halb 11 dem Gipfel.
Die Aussage „da geht no mehr“ kannte ich ja schon, und so war es dann auch keine wirkliche Überraschung als aus der geplanten Abfahrt über die Aufstiegsroute, eine Überschreitung Richtung Muttekopfscharte mit Abfahrt in die steile Südflanke und Wiederaufstieg zum Rotkopf (2692m) wurde. Dazu musste jedoch der Rotkopf Osthang mit einer kurzen 40 Grad Stufe über einen Felsriegel überwunden werden, die für mich – durch den in der Sonne aufweichenden Schnee versinkend – zu einer Bewährungsprobe wurde. Naja, irgendwann war auch ich dann oben und wir konnten den Ausblick von unserem vierten Gipfel hinüber zur Schlenkerspitze, dem Ziel des Vortages, genießen.
Mit der Hoffnung irgendwie zum Larsenjoch durchzukommen, um von dort wieder ins Fundaistal und unseren Zelten abfahren zu können, setzen wir unsere Tour weiter Richtung Rotkopf Südwestgrat fort. Nach einer halben Stunde Grat-Kletterei machte Justus eine Möglichkeit aus, bereits vor dem Larsenjoch über eine Rinne abfahren zu können. Es war bereits 2 Uhr nachmittags und die Zeit drängte wieder runter zu kommen bevor der Schnee zu nass wurde. Nach Beratung und kurzem Abstieg mit Steigeisen wurden die Skier angeschnallt, und mit Walter‘s Hinweis „stürzen waar jetzt ned so guad“ begann bei besten Firnbedingungen eine super Abfahrt, die die Anstrengungen des Tages 1000-fach belohnte.
Nachdem die Zelte abgebaut waren und alles wieder in den Rucksäcken verstaut war, gings per Ski am Bachbett entlang und später zu Fuss bis nach Boden zurück zum Auto. Nach einere kurzen Stärkung im Cafe „Zur Gemütlichkeit“ im kleinen Ortsteil Bschlabs unterhalb von Pfafflar machten wir uns um halb 5 Uhr auf den Heimweg.

  1. Andi Höfer Antworten

    Sieht nach einer super Tour und super Verhältnissen aus! Schade, dass es bei mir nicht geklappt hat. Ich hoffe die Woche sind die Verhältnisse dort noch gut, vielleicht fahre ich die Tour dann mal nach.
    Bis bald!

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